FF Nüdlingen

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Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Nüdlingen


 Von Emil Pillich, Fortgeführt von Günter Kiesel

 

Vor dem Bestehen der organisierten Freiwilligen Feuerwehren hatte jeder jungvermählte Ehemann von der Gemeinde die Auflage, einen Ledereimer zu Feuerlöschzwecken zu beschaffen und war hiermit zur Brandhilfe verpflichtet. Aber es fehlten im Ernstfalle die Organisation und die selbstlose Einsatzfreudigkeit, so dass oft ganze Ortsteile und mehr dem Feuer zum Opfer fielen.

 

So konnte im Jahre 1867, ein anfangs kleiner Brand im oberen Dorf mit der mühsamen und zeitraubenden Eimerkette nicht gehalten werden und annähernd 10 Gebäude fielen dem Brand zum Opfer. Diese Katastrophe und die seit einigen Jahren in größeren Orten, wie Bad Kissingen, bestehenden Freiwilligen Feuerwehren ließen den Nüdlingern keine Ruhe mehr.

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1869 fanden sich annähernd 40 Bürger zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr Nüdlingen.

 

Als 1. Kommandant wurde Polizeidiener Joh. Müller gewählt. Die erste und wichtigste Anschaffung der neugegründeten Wehr war der Kauf einer Handdruckspritze, die heute noch vorhanden ist und die Aufschrift 1869 trägt. Diese Spritze musste zu den Übungen und Einsätzen getragen werden. Erst in späteren Jahren wurde ein Fahrgestell untergebaut. Zur Uniformierung diente ein grauer Drillichrock.

 

Bei den Übungen herrschte von Anfang an schärfste Disziplin. Nichterscheinen zu den Übungen wurde mit Ausschluss oder Geldbußen geahndet. Die Wehr gliederte sich ein einen Steiger- und Löschzug. Die Schlagkraft der Wehr muss den verantwortlichen Männern sehr am herzen gelegen sein, denn bereits 4 Jahre nach der Gründung im Jahre 1873 wurde eine 2. Handdrückspritze, fahrbar mit Protze, gekauft, so dass man auch zur Nachbarschaftshilfe in andere Orte fahren konnte. Dieses Gerät ist ebenfalls noch vorhanden. Damit hatte die Nüdlinger Wehr für die damalige Zeit, wo in vielen Dörfern noch gar keine Wehren bestanden, eine vorbildliche Ausrüstung. Der damalige Löschbezirk erstreckte sich für Nüdlingen bis nach Oberthulba.

 

1875 wurde Zimmerermeister Simon Kiesel zum Kommandanten gewählt und 1881 von Michael Josef Memmel, ehemals aktiver Unteroffizier, abgelöst. Unter seinem Kommando erreichte die Wehr ihren vorläufigen Höhepunkt. Die schwarze Tuchuniform wurde eingeführt, die sich die Kameraden selbst kauften. 1883 oder 1884 beschafft die Gemeinde eine neue Sag- und Druckspritze, womit dann 3 einsatzfähige Spritzen vorhanden waren.

 

Bei Kriegsausbruch 1914 war Bildhauer Erhard Kiesel Kommandant. In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 war kein Kommandant vorhanden. Die Wehr wurde in diesen Jahren von den Kameraden Georg Adolf Kiesel und Johann Weber geleitet. Nach Kriegsende wurde Tünchermeister Heinrich Beck gewählt, der bis 1927 Kommandant war. In seiner Amtszeit fiel die Beschaffung der mechanischen Schubleiter, die Fahnenweihe am 24.05.1926 und der Erwerb einer Motorspritze im Jahre 1926.

 

Durch den Bau der Wasserleitung 1934/35 wurde das Löschen weiter verbessert und die Saug- und Druckspritze als überflüssig verkauft, die aktive Mannschaft erheblich verringert.

 

In den Kriegsjahren 1940 – 1945 leitete Anton Weber die Wehr. 1944 musste durch den Mannschaftsmangel und die erhöhte Brandgefahr durch Kriegseinwirkung bedingt, eine weibliche Feuerwehr gebildet werden. Diese Damen haben ihren Dienst vorbildlich ausgeführt.

 

Im Frühjahr 1946 wurde Theodor Hein von der Militärregierung mit der Führung der Wehr beauftragt. Dieser Auftrag wurde am 25.01.1947 von der Wehr durch einstimmige Wahl bestätigt.

Theodor Hein übernahm 1946 keine Wehr im eigentlichen Sinne, da dieselbe praktisch nur noch aus einigen älteren Männern bestand. Er musste eine neue Wehr schaffen. Mit zäher Ausdauer und zielbewusster Tatkraft erfüllte der Kommandant seine schwere Aufgabe und mit Hilfe einiger beherzter Männer baute er eine junge Wehr auf, die in der Ausrüstung und Ausbildung zu einer der ersten im Landkreis wurde. Bereits 1953 zählte die Wehr 505 Mitglieder, davon 100 junge Aktive und 174 Ehrenmitglieder.

 

Am 04.07.1954 wurde das 85jährige Stiftungsfest gefeiert, in dessen Rahmen die Einweihung des neuerbauten Gerätehauses erfolgte. Ein besonderes Ereignis war 1956 die Anschaffung einer montierten Motorspritze, die am 15.07.1956 eingeweiht wurde.

 

Am 28.06.1959 wurde das 90jährige Stiftungsfest mit der Weihe der neuen Fahne gefeiert.

 

1963 erhielt die Wehr durch die Stationierung des kreiseigenen Tanklöschfahrzeuges in Nüdlingen eine Bestätigung ihrer Ausbildungs- und Leistungsstandes. Mit Hilfe dieses Tanklöschfahrzeuges in Nüdlingen war nunmehr aus der Feuerschutz der höhergelegenen Wohngebiete besser gewährleistet. Von besonderer Bedeutung war im Jahre 1963 auch der Bau des Feuerlöschweihers, da die Saugstellen des Baches oft eine entsprechende Wasserentnahme nicht sicherten.

 

Am 29.01.1966 wurde mit Richard Hein, der Sohn des bisherigen Kommandanten zum neuen 1. Kommandanten gewählt, da Theodor Hein aus Altersgründen eine Wiederwahl ablehnte. 20 Jahre lang leitete er die Wehr und wird wohl als einer der erfolgreichsten Kommandanten in die Geschichte eingehen.

Für die überragenden Leistungen, die er zusammen mit seinem Adjutanten Oskar Hofmann vollbrachte, wurden beide zu Ehrenkommandanten ernannt.

Richard Hein verstand es fortan, die Arbeit seines Vaters hervorragend fortzusetzen. An seiner Seite stand der spätere 1. Vorsitzende Ernst Schmitt als 2. Kommandant. Beide erweiterten den Ausbildungsstand der Wehr ständig; zahlreiche Leistungsprüfungen bestätigten den Übungseinsatz der Wehrmänner.

 

1969 zählte die Freiwillige Feuerwehr 450 Mitglieder, von denen 100 aktiven Dienst ausübten. Die Wehr gliederte sich in vier Gruppen.

 

Am 5. und 6. Juli 1969 konnte die Wehr auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken. Mit einem großen Fest wurde das Jubiläum ausgiebig gefeiert. Schirmherr der Veranstaltung war Landrat Engelbert Hofmann.

 

Mit der Übergabe des neuen Löschfahrzeuges LF8 im Jahre 1971 ging ein lang ersehnter Wunsch der Wehr in Erfüllung. Auf dem Platz vor dem Kindergarten war das geschmückte Fahrzeug aufgefahren, flankiert von Fackelträgern der Wehr, als Pfarrer Leidner die feierliche Weihe vornahm. Im Gasthaus „Grüne Au“ wurden anschließend zahlreiche Feuerwehrmänner für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt.

 

Im Februar 1975 fand in diesem Saale ein Kameradschaftsabend statt, bei dem Leistungsabzeichen verliehen wurden und langjährige Mitglieder ihre Ehrung erhielten.

 

Vom 30.06 bis zum 02.07.1979 wurde das 110jährige Gründungsfest gefeiert. Höhepunkt dieses Festes war sicherlich der Festzug durch die buntgeschmückten Straßen des Ortes. Im Mai 1979 fand erstmals der Kreisfeuerwehrtag in Nüdlingen statt. Die Kommandanten des Landkreises versammelten sich in der Turnhalle zu ihrer Tagung.

 

Im Jahre 1982 musste die Wehr den schmerzlichen Tod ihres Kommandanten Richard Hein erleben. Mit Tatkraft, Weitblick und hohem Verantwortungsbewusstsein hat er die Geschicke der Wehr geleitet. Im besten Alter von 44 Jahren erlag er seiner heimtückischen Krankheit.

Ernst Schmitt erhielt das Vertrauen der Feuerwehrmänner und wurde zum neuen 1. Kommandant gewählt. Sein Stellvertreter wurde Helmut Rittelmeier.

 

Im Jahre 1983 erhielt Bürgermeister und Vereinsvorstand Franz Nicolai für seine 40jährige aktive Mitarbeit das goldene Ehrenzeichen.

 

Das neue Bayerische Feuerwehrgesetz brachte im Jahre 1985 die Trennung zwischen Feuerwehrverein und der öffentlichen Einrichtung „Feuerwehr“. Die deshalb notwendig gewordene neue Vereinssatzung wurde einstimmig beschlossen.

 

Eine der größten Brandkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte hatte die Nüdlinger Wehr im Jahre 1986 in der Haardstraße zu bekämpfen. 160 Feuerwehrleute waren bei diesem Großeinsatz eingesetzt, alleine 30 von ihnen mit schwerem Atemschutz.

Das Jahr 1986 brachte aber auch personelle Veränderungen in der Wehr. Ernst Schmitt wurde neuer Vorsitzender des Vereines und löste Franz Nicolai ab, der 20 Jahre lang den Verein umsichtig geführt hatte. Helmut Rittelmeier wurde 1. Kommandant, sein Stellvertreter wurde Günter Katzenberger.

 

Beim Ehrenabend im Jahre 1986 wurde Ernst Schmitt Ehrenkommandant und franz Nicolai Ehrenvorsitzender. Ernst Wilm, Ulrich Wilm, Kilian Kiesel, August Hofmann, Karl Hofmann und Oskar Karch wurden aufgrund ihrer langjährigen großen Dienste zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ernst Müller erhielt für seine 40jährige aktive Führungsarbeit das staatliche Ehrenzeichen in Gold und die gemeindliche Ehrentafel.

 

Im November 1988 wurde 1. Kommandant Helmut Rittelmeier Kreisbrandrat. Bruno Wilm wurde zum Jahresanfang 1989 zum 1. Kommandanten gewählt. Günter Katzenberger erhielt als 2. Kommandant das Vertrauen und wurde darüber hinaus Kreisbrandmeister.

 

Im Jahre 1989 feierte die Wehr ihr 120jähriges Jubiläum. Höhepunkt dieses 3-tägigen Festes war die Übergabe und Weihe des neu angeschafften Tanklöschfahrzeuges TLF 16 mit schwerem Atemschutz, Spreizer und moderner Ausrüstung zur technischen Hilfeleistung im Wert von ca. 300.000 DM. In einem feierlichen Festgottesdienst im Festzelt am Wurmerich segnete Pfarrer Matthias Konrad das neue Fahrzeug. Schirmherr des Festes war das fördernde Mitglied Werner Kessel, Bad Kissingen.

 

Am Festzug nahmen 54 Vereine, 2 Pferdegespanne und 4 Musikkapellen teil. Dem Fest ging am 20. Mai ein Ehrenabend im Pfarrsaal voraus, bei dem 13 Mitglieder für ihre 60jährige und 34 Mitglieder für ihre 50jährige Mitgliedschaft geehrt wurden. 3 Kameraden erhielten die Ehrennadel in Silber und 15 Kameraden die Ehrennadel in Bronze.

 

Die Freiwillige Feuer konnte schon damals mit ihrer modernen Ausrüstung und dem gut ausgebildetem Personal für einen optimalen Brandschutz und eine sehr gute technische Hilfeleistung garantieren.

 

Mit dem Erweiterungsbau zum Feuerwehrhaus, welcher 1992 begonnen wurden, werden nunmehr auch optimale Bedingungen für die Unterbringung der Gerätschaften und Fahrzeuge sowie für die Schulung der Aktivitäten geschaffen.